Literatur


Auch wenn du in kleinen Räumen lebst,

füllt dein Geist das ganze Universum.
Schließ deine Augen und spüre die Weite.
Lass deine lächelnde Seele sich ausbreiten
und den unendlichen Raum umarmen.
                                                                             Petra Hinterthür




"In der Ruhe still wie ein Berg.
In der Bewegung wie der Lauf
eines großen Flusses..........."



Was ist Qigong?

Qigong ist ein altchinesisches, ganzheitliches Übungssystem,
bei dem wir selbst aktiv werden und unseren Körper und Geist
zur Gesunderhaltung trainieren und dadurch das Qi, die
Lebensenergie mobilisieren.

Im Prozeß des Übens wird erkundet und dann auch erfahrbar
gemacht, wie sich Bewegung, Atem und Vorstellungskraft
verbinden. Alle Übungen basieren auf den gleichen Prinzipien:

Die Übungen erfordern eine spezielle Körperhaltung, die sich
im Laufe des Übungsprozesses einstellt. Der Körper wird
beweglicher, das Körpergefühl verfeinert sich und die Haltung
wird immer natürlicher. Das Erlernen strukturierter Bewegung-
abläufe erfolgt mit großer Achtsamkeit und in fließendem,
natürlichen Wechsel von Spannung und Entspannung.
Ursprung aller Bewegungen sind Füße und Beine. Bewegung
und Vorstellungskraft zentrieren sich im Unterbauch (Dantien).
Von dort kommt alles, dorthin fließt alles zurück.

Um das Wechselspiel von Spannung und Entspannung in jedem
Teil des Körpers zu erfahren ist es wichtig, spielerisch damit
umzugehen. Denn nur so erhalten wir uns die Offenheit und
Freude, unseren Körper auf ganz neue Weise auszuprobieren
und zu erspüren. Je gelassener wir dies tun, um so mehr entfaltet
sich unsere innere und Äußere Beweglichkeit.

Daraus erwächst eine Kraft, die sich auf Körper und Geist auswirkt,
unsere Selbstregulierung und Selbstvitalisierung fördert und dann
auch beginnen kann, sich auf den Alltag auszuwirken. Wir lernen,
unseren Atem locker und natürlich zu lenken. Zugleich benutzen
wir unsere Aufmerksamkeit, um die Bewegungen mit unserem 
inneren Auge zu leiten und zu begleiten.

Und wir mobilisieren unsere Vorstellungskraft: so verliert z.B. eine
Übung, die wir mit dem "Inneren Lächeln" ausführen an Schwere,
Ernsthaftigkeit und Anspannung; unser Geist wird klar, die Gedanken
dürfen vorbeiziehen und wir finden zurück zu Leichtigkeit und
Mühelosigkeit, ohne dabei schlaff und kraftlos zu werden. Schreiten
wir fort in diesem Übungsprozeß, dann fügen sich die Bewegungen
wie ein großer Tanz aneinander, der unsere innere Natur zum
Ausdruck bringen kann.

Ein weiterer Erfahrungsbereich wird uns eröffnet, wenn wir lernen,
Pausen zu machen und uns eine Ruhephase zu gönnen; abzu-
schließen, bevor wir etwas Neues beginnen. So ergänzen aktive
und passive Phasen einander und bilden zusammen ein Ganzes -
eine wichtige Erfahrung auch im täglichen Leben.

Qigong ist Selbst-Erfahrung, auch innerhalb einer Gruppe. Und um
der Beziehung untereinander Raum zu geben, mehr Leichtigkeit
und Lockerheit miteinander zu erfahren, benutzen wir zusätzlich
Partnerübungen, auch hier ein Wechselspiel von Yin und Yang,
Nehmen und Geben.

Die Kurse bieten die Möglichkeit, mit Lust und nicht mit Frust den
eigenen Körper zu erfahren, mit anderen in Beziehung zu treten
und den eigenen Spielraum zu erweitern. Qigong ist für jeden
geeignet, der bereit ist, sich auf einen längeren Prozeß des Übens
einzulassen.


                                                                                

Das Erlernen strukturierter Bewegungsabläufe erfolgt mit großer
Achtsamkeit und in fließendem, natürlichen Wechsel von Spannung
- im Yang und und Entspannung – im Yin.
Dabei versuchen wir mit
Freude und Offenheit unserem Anfängergeist immer wieder zu
begegnen. Bei den stillen Qigong Übungen tauchen wir immer
weiter ein ins Loslassen, unser Geist wird stiller und unser Herz 

leuchtender. Innerhalb der Ausbildung wird die notwendige Theorie,
soweit wie möglich, in Übungen erfahrbar gemacht. Dabei unter-
stützen uns auch PartnerInnenübungen, sowie ein lebendiger
Austausch miteinander.


(Auszüge aus dem Buch "Qigong nach Fünf Elementen" von Petra Hinterthür,
Kolibri Verlag):


Behutsam und ganzheitlich – ein Übungsweg für alle
Übenden

Jeder Mensch – ob jung oder alt, gesund oder krank – kann Qigong
erlernen und im Alltag üben. Die ruhigen, konzentrierten Übungen
entspannen, fördern die Gesundheit und ein langes Leben und haben
sich bei vielen Krankheiten als heilsam erwiesen. Qigong wird
heute als ein wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen
Medizin (TCM) betrachtet, aber letztlich ist die TCM aus dem Wissen

um das Qi, die Energieströme im Körper,der Natur und dem 

Kosmos und deren positive Wirkungen auf den menschlichen 

Organismus entstanden. Aus diesem ehemals geheimen Wissen 

hat sich eine faszinierende, umfassende Lebensphilosophie über 

tausende von Jahren gebildet. Wer regelmäßig Qigong übt, fühlt 

sich, über große Strecken des Lebens, körperlich und geistig-

emotional besser und ausgeglichener. Gerade zur allgemeinen 

Stressbewältigung, die heutzutage so nötig ist, hat es sich sehr 

bewährt. Mit den auf die Fünf Elemente abgestimmten Qigong-

Übungen aus diesem Buch können Sie außerdem ganz typ- und 

situationsspezifisch üben. Sie können lernen, sich selber aus 

einem anderen Blickwinkel zu betrachten, sich mit all Ihren Stärken,

Schwächen und auch Störungen zu erkennen, zu helfen und zu heilen.



Die Lebensenergie Qi

Um zu verstehen, warum Qigong so ganzheitlich heilend wirkt, schauen
wir uns das faszinierende chinesische Konzept vom Qi an.

»Qi« wird häufig mit dem Wort Energie übersetzt. Andere Bezeichnungen
sind Vital- oder Lebenskraft, Kondition, Körperelektrizität, Äther, Dampf
oder Licht. Qi gilt als Quelle allen Wachstums und aller Entwicklung. Der
Mensch lebt inmitten von Qi, und Qi erfüllt und beseelt den Menschen.
Die Griechen nennen es »Pneuma«, die Inder »Prana«. In unserer
Tradition heißt es »Odem«.

Das Qi im Menschen entsteht aus »Jing«, der Essenz. Jing ist grobstoff­-
licher und langsamer als Qi. Der Mensch erbt vorgeburtliche Essenz von
seinen Eltern, die im Laufe des Lebens verbraucht wird. Er füllt das
Energiedepot mit nachgeburtlicher Essenz auf – um diese zu bilden, wird
Qi von außen zugeführt: Sauerstoff-Qi, Nahrungs-Qi – »Qi von Himmel
und Erde«.




Meridiane und Dantians

Das Qi fließt durch Energieleitbahnen (Meridiane), die wie der Blutkreislauf in 
Form eines dichten Netzes den gesamten Körper durchziehen. Auf den Haupt-
meridianen liegen die Energiepunkte, die man durch Akupunktur oder Akupres-
sur aktivieren kann. Wichtigstes Energiezentrum ist das Untere Dantian. Es liegt 
in der Mitte des Körpers, etwa eine Handbreit unterhalb des Bauchnabels in der
Tiefe des Unterleibs. Bei der Mehrheit der Frau befindet es sich in der Gebär-
mutter, bei den Männern oberhalb der Blase. (Anmerkung: über die Lage des 
Unteren Dantians gibt es in den unterschiedlichen Qigong-Schulen unterschied-
liche Lokalisationen). Hier wird Qi gespeichert und in Essenz umgewandelt. Das 
Untere Dantian hat einen speziellen Bezug zu den Nieren und spielt im Qigong 
eine zentrale Rolle. Es gibt zwei weitere Energiezentren: Das Mittlere Dantian 
liegt hinter dem Brustbein tief im Brustkorb – hier wird Qi im Verlauf eines inne-
ren Wandlungsprozesses verfeinert; das Obere Dantian, auch als drittes Auge
bekannt, wird »Shen«, dem Geist zugeordnet. Im Qigong geht es darum, die
»drei Schätze« Jing/Essenz, Qi/Energie und Shen/Geist zu stärken, zu stabili-
sieren und zu veredeln. Und dies geschieht im nicht endenden Kreislauf inner-
halb des Körpers.


Qi“
kann allgemein verständlich mit Lebensenergie übersetzt werden. Schaut man 
sichdie Symbolik des chinesischen Zeichens für „Qi“ näher an, wird die Be-
deutung dieses Begriffs noch klarer: Der obere Teil bedeutet Luft, Sauerstoff, 
Dampf – der untere Reis. Es verbindet also Qi-Quellen wie Sauerstoff (Atmung) 
und Reis (Essen). Sauerstoff und Reis stellen zwei Quellen nachgeburtlichen 
Qi's dar. Der Mensch braucht Sauerstoff zum Leben ebenso wie Nahrung. Reis 
ist das Grundnahrungsmittel der Chinesen und wurde daher beim Entstehen des
Zeichens als Symbol der Nahrung in das Zeichen „Qi“ mit aufgenommen. Der 
Reis entfaltet seine Kraft nur, wenn er gekocht wird und steht für Wärme, die der
Körper braucht, damit er funktioniert.Der Begriff „Dampf“ im oberen Teil des 
Zeichens „Qi“ symbolisiert einen alchimistischen Vorgang innerhalb des Körpers, 
bei dem im Körper Dampf aufsteigt als Zeichen der Veredelung der Energie.

Gong“ 
bedeutet Übung, Methode, Arbeit und Schulung. Mit Hilfe von Gong wird Qi 
gestärkt,bewegt, reguliert, verwandelt, aufgenommen und abgegeben. Viele 
Menschen wünschen sich reichlich Qi, mögen oder praktizieren aber kein Gong …


Das Qi stärken, lenken und und dem Stress begegnen

Qigong beinhaltet Atemübungen, Übungen zur Dehnung, zum Reinigen und Ent-
giften,zur Aufnahme von frischem, kraftvollem Qi und zur stillen Meditation. Dabei 
werden innere Bilder verwendet, um das Qi durch die Meridiane und den gesamten 
Körper zu lenken. Allein die Vorstellung, dass Ihr Qi in die Beine fließt, aktiviert das 
Gehirn und dadurch den Qi-Fluss und läßt das Qi dorthin fließen. Wenn Sie das Qi 
so »trainieren«, weiß es bald seinen Weg und seine Aufgaben von allein. Ihre 
Vorstellungskraft folgt dann Ihrem Qi.

Alte chinesische Qigong- oder Dao-Meister waren der Meinung, dass sich die 
gesamte chinesische Medizin aus dem Wissen um das Qi und die entsprechenden 
Energieübungen entwickelt hat. Heute gilt Qigong als Teil der Traditionellen 
Chinesischen Medizin (TCM), die auf fünf Haupt- und zwei weiteren Säulen steht:

1. Phytotherapie/Kräuterlehre
2. Akupunktur
3. Qigong
4. Tuina-Massage
5. Diätetik/Ernährungslehre.
6. Feng Shui (Wind-Wasser-Lehre / Geomantie)
7. Chinesische Astrologie und astrologische Diagnostik


Qigong (Bewegtes und Stilles) zu praktizieren und sein Qi zu pflegen, galt von jeher 
in China als Voraussetzung für Gesundheit und ein langes Leben. Das klingt alles 
ganz einfach, aber wenn Sie Qigong regelmäßig üben, vermeiden Sie Stress oder 
kommen zumindest schneller wieder aus einer Stress-Situation heraus. Stress gilt 
als Ursache für über 95 % aller Krankheiten und Beschwerden. Dazu gehören See-
lenstress, körperlicher und emotionaler Stress. Wenn zu viel Stress über einen zu 
langen Zeitraum anhält, verlieren Sie Qi und dieLust am Leben. Zur Stressvermei-
dung gehören neben den Qigong-Übungen auch, dass Sie sich nach dem Yin-Yang-
Prinzip ausgewogen ernähren, dass Sie in Ruhe Mahlzeiten einnehmen, nichts zu 
viel machen, sich nicht so viel zu Herzen oder Dinge persönlich nehmen, sich kör-
perliche und geistige Ruhe gönnen.

Das Nichtstun oder ruhige Handeln regelmäßig zu kultivieren ist wie ein Geheimnis. 
Ihr Parasympathikus des Zentralen Nervensystems wird dabei angesprochen. Er 
sorgt dafür, dass sich unsere gesunden Zellen „in aller Ruhe“ erholen, wachsen und 
dass sie „repariert“ werden. Der Gegenspieler ist der Sympathikus. Er sorgt bei 
Stress dafür, dass sie kämpfen, um zu überleben. Die Aufgaben des Parasympa-
thikus treten dabei völlig in den Hintergrund. Wenn Sie also ständig gestresst sein 
sollten, befinden Sie sich quasi ständig im Kampf (mit sich selbst). Das erschöpft, 
laugt aus, macht müde oder krank. Im Stresszustand nimmt der Körper auch wenig 
Sauerstoff, Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und andere essentielle Bausteine auf. 
Durch Stress wird er im wahrsten Sinne des Wortes „sauer“, unabhängig davon, ob 
sich der Mensch dabei gesund und basisch ernährt.

Die Frage, die Sie sich hierbei immer stellen können ist: Was bereitet mir Stress? 
Wenn Siegenauer hinschauen, sind es fast immer sogenannte „Herzknoten“, nicht 
gelöste Probleme des Herzens. Zur Beantwortung dieser Frage brauchen Sie Ruhe, 
Geduld und Zeit. Eine lebensrettende, begleitende Methode bei dieser Seelenreise 
kann Qigong sein. Wenn Sie „mit dem Herzen“ üben, die einzelnen, äußeren Formen 
transzendieren und in die Tiefe auf Ihre Herzens-Ebene gehen, haben Sie die Chance, 
Ihren Stress zu erkennen, aufzulösen und sich zu heilen. Ihr Immunsystem, Ihr Qi und 
damit Ihre Gesundheit werden es Ihnen danken. Auf dem Weg der Qi-Stärkung und 
Heilung lassen Sie dann (betrachten Sie diesen Versuch einmal als Experiment) 
den Perfektionismus, den 100 Prozent-Anspruch, die Ungeduld, Intoleranz, Rastlo-
sigkeit und das Bewerten (gut, schlecht, sympathisch, unsympathisch.....) auf der 
Strecke. Machen Sie sich dafür keine Vorwürfe, sondern verzeihen Sie sich selber
für Ihre „einzigartigen“ Eigenschaften.


Ausgleich von Yin und Yang

Eine bedeutende Grundlage der chinesischen Gesundheitslehre ist das Prinzip der 
Polarität, der Kräfte von Yin und Yang. Die beiden Aspekte durchdringen, erzeugen, 
begrenzen und gleichen einander ständig aus. Dem Yin steht immer ein Yang 
gegenüber: weiblich-männlich, Erde-Himmel, Mond-Sonne, langsam- schnell, 
Wasser-Feuer, Weisheit-Wissen, Ruhe-Aktivität, unbewußt-bewußt. Das Yin enthält 
den Keim des Yang: die Nacht den Tag, der Winter den Sommer, die Aktivität die 
Ruhe, die Erwartung die Enttäuschung, die Jugend das Alter und die Gesundheit die 
Krankheit. Yin und Yang ziehen sich an: Bei der Zeugung eines Kindes treffen Yin 
(Ei) und Yang (Samen) zusammen. Beim Tod trennen sich Yin und Yang. Alles in 
unserem  Leben und im Alltag hat eine Yin- und eine Yang-Seite: Wenn wir schlafen, 
stärken wir unser Yin, durch Arbeit oder Bewegung unser Yang. Der Stil einer Blume
ist Yang (gerade und fest) und die Blüte ist Yin (rund und weich). Eine Tasse ist Yang 
(fest), der Tee ist Yin (flüssig). Wenn sie sich eingehender damit beschäftigen, 
werden Sie merken, dass Sie und alle Menschen und lebende Wesen beides 
brauchen. Ein Haus ist Yang (feste Struktur), die Atmosphäre im Haus ist Yin 
(Stimmung, Gefühl).  Ein Yin-Teil sucht sich immer einen Yang-Teil und bildet ein 
energetisches Paar mit  ihm. Das Yin wird mit der Mutter verglichen und das Yang 
mit ihrem Sohn. Yin und Yang sind nie absolut, sondern immer relativ und veränderbar: 
Ein Glas ist halb voll  (Yang) oder halb leer (Yin). Für die Ameise ist der Mensch riesig 
(Yang), im Vergleich zum grenzenlosen Universum ist der Mensch winzig (Yin).


Yin und Yang im Körper

Der menschliche Körper ist detailliert aufgeteilt in Yin und Yang: Innen ist er Yin und 
außen Yang. Jedes Organ hat einen Yin- und einen Yang-Anteil. Das Qi ist Yang, 
das Blut und alle Flüssigkeiten sind Yin. Die Vorderseite und der Bereich unterhalb 
der Taille gehören zum Yin, die Rückseite und der Körper oberhalb der Taille zum 
Yang. Die rechte Körperhälfte wird bei der Frau dem Yang zugeordnet, beim Mann 
dem Yin; die linke Körperhälfte entspricht dem Gegenpol. »Gesundheit« wird in China 
als ein ausgewogenes Verhältnis von Yin und Yang definiert. Ist der Mensch krank, 
sind sein Yin und Yang im Ungleichgewicht. Im Qigong ist das Ziel, Yin und Yang aus-
zugleichen.


Leben und üben in Balance

Es geht um die »goldene Mitte«: nichts zu viel und nichts zu wenig zu machen, Arbeit 
und Ruhephasen harmonisch miteinander zu verbinden, ebenso Ess- und Alltagsge-
wohnheiten. Viele Menschen leben heute im beruflichen, privaten und emotionalen 
Stress und damit im Yang-Zustand. Sie sind ununterbrochen (hyper-)aktiv, rastlos, 
ge- und überfordert. Der Yin-Aspekt in Form von Ruhe, Muße, Entspannung oder 
sogar Nichtstun wird vernachlässigt. Körper und Geist machen Stress und Hektik 
relativ lange mit. Irgendwann beginnen sie jedoch zu streiken oder zu signalisieren:
»Hallo, mir wird das langsam zu viel. Ich brauche endlich Ruhe!« Wenn Sie dieses 
Signal überhören, wird der Körper vielleicht krank und die Seele betrübt. Mit Qigong 
können Sie ungünstige Lebensmuster rechtzeitig unterbrechen. Entspannen Sie sich 
daher regelmäßig und üben Sie. Schalten Sie zwei bis drei Gänge runter und gönnen
Sie sich Zeit für sich selbst. So gleichen Sie Ihr Yin und Yang wieder aus. Qigong ist viel
mehr als Gymnastik – es geht nicht nur um die Bewegungen des Körpers, sondern auch 
um innere Bewegungen des Qi und des Blutes mit Hilfe einer Vorstellung, es geht um 
Wahrnehmung und innere Ruhe.


Formen des Qigong

Stilles Qigong (Jinggong)

Es zählt zum »weichen« Qigong und zeichnet sich durch äußerlich kleine Bewegungen, 
Übungen auf der Stelle oder nur innere Bewegungen aus. Es betont die Atemregulierung, 
das Eintreten in einen tiefen, inneren Ruhezustand und das Öffnen des Herzens. Im 
Stillen Qigong geht es darum, die „6 Wurzeln“ zu beruhigen oder sie abzuschneiden. 
Die sind: Hören, Sehen, Riechen, Sprechen, Fühlen und Denken. Im daoistischen Sinne 
versiegeln Sie Ihre Sinne, d.h. Sie nehmen alles wahr, aber es irritiert Sie nicht, Sie
denken nicht darüber nach oder versuchen eine Antwort zu finden oder etwas zu planen. 
Die meisten Übungen in diesem Buch gehören zum Stillen Qigong.


Bewegtes Qigong (Donggong)

Hier geht es um längere Bewegungabläufe und Übungsreihen, bei denen man sich auch 
von der Stelle bewegt (zum Beispiel »Organstärkendes Gehen«). Es gibt »weiche«
Übungen, meditativ, langsam und fließend geübt, und »harte« Übungen, die den Körper 
stählen und die Kampfkunst lehren – Taijiquan und Gongfu (Kung Fu) gehören zu dieser
Form. Es geht darum, den Körper zu bewegen, gelenkig zu werden und Stress/Adrenalin
abzubauen, außerdem um Körperkoordination und um die Verbindung beider Gehirnhälften.


Spontanes Qigong (Zifagong)

Hier übt man nicht nach einer vorgegebenen Form, sondern lässt das Qi frei fließen. 
Wichtig ist, Kontrolle und Bewertungen loszulassen, damit das Qi die Bewegungen
unbeeinflusst leiten kann. Spontanes Qigong hat eine große heilende Wirkung, setzt
aber einige Übungspraxis und eine stabile Psyche voraus. Aus einem Buch kann man
es nicht lernen.


Qigong Schulen

Daoistische Schulen

Daoistsche Schulen sind in China entstanden. Ihre Lehre geht zurück auf das Denken
von Laozi (etwa 6. Jh. v. Chr.) oder noch früher auf den Gelben Kaiser Huangdi (etwa
2600 v. Chr.), der als Lehre die Nicht-Lehre betonte und das Nicht-Handeln als das
Handeln. Die Lehre beider Weisen wird als Huang-Lao-Philosophie bezeichnet. Im
Daoismus ist immer alles ungefähr und nicht konkret. Alles ist im Einklang mit der Natur,
dem Kosmos und allen lebenden Wesen. Der Mensch ist ein harmonischer Teil des
Ganzen und fügt sich dem „Großen Strom“ des Kosmos.


Buddhistische Schulen

Der Buddhismus kam im 2. Jh. n. Chr. nach China, der Zen-Buddhismus durch
Bodhidharma im 6. Jh. n. Chr. Zu der Zeit waren daoistische Praktiken schon weit
entwickelt. Sie adaptierten teilweise buddhistisches Gedankengut und -praktiken wie
Mantren (Töne oder Gesänge) , Mudren (Handhaltungen), Sutren-Rezitationen, Gebete
und Visualisierungen (buddhistische Gottheiten, Ritualgegenstände, Licht, Farben,
Chakren).


Die Schule des medizinischen Qigong

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird das »Medizinische Qigong« gelehrt – als momentan 
einzige Schule, die vom chinesischen Gesundheitsministerium akzeptiert, gefördert und 
Interessierten im Westen empfohlen wird. Jede Übung hat hier einen Bezug zu einem 
medizinischen Befund. In China wird Qigong zur Zeit hauptsächlich von Ärzten an Kliniken 
oder Sportuniversitäten unterrichtet. Medizinisches Qigong hat sich in den 80er Jahren im 
Westen ausgebreitet. Seit den 90er Jahren wurden in Deutschland Qigong-Gesell-
schaften und -Vereine gegründet und Qigong-Ausbildungen angeboten.